Im Urlaub – Im Krankenhaus – In Sorge

Streifen gelb

Was braucht eine Organisation, damit fachliche Sicherheit und menschliche Zugewandtheit auch dann erhalten bleiben, wenn Mitarbeitende unter Stress stehen, sich beobachtet fühlen oder sich in ihrer Kompetenz infrage gestellt fühlen?

Vergangene Woche musste ich eine Wandertour mit einer Freundin abbrechen. Ihr ging es zunehmend schlechter. Arztbesuch, professionell und zugewandt schnell reagierendes Team, mit Fokus und Entscheidungskompetenz. Schließlich Transport ins Krankenhaus. Ich war in sehr große Sorge.
Dort begegneten uns eine sehr aufmerksame Oberärztin und zwei Pflegefachpersonen, die zugewandt und fürsorglich handelten. Das hat gutgetan und Entspannung machte sich bei mir bemerkbar. Wir sind am richtigen Ort. Später wechselten wir für eine weitere Maßnahme in einen anderen Bereich. Zu Fuß über Treppen und durch Flure.

Im Gespräch mit den Kolleginnen der anderen Abteilung verwendete ich einen medizinischen Fachbegriff. Die Reaktion: „Was machen Sie beruflich?“
„Ich bin Krankenschwester.“ – „Das müssen Sie vorhersagen.“
Dieser Satz ist mir geblieben, hat mich später sehr nachdenklich gestimmt. Warum eigentlich?
Ich war dort nicht als Krankenschwester. Ich war besorgte Freundin einer Patientin der es nicht gut ging. Als ich wenig später einen Hinweis/Information zum gerade gelegten, zweiten neuen venösen Zugang gab, kam die Antwort:
„Ich weiß, was ich tue. Lassen Sie mich meine Arbeit machen.“ Natürlich kann/darf eine Pflegefachperson einen Hinweis anders einschätzen. Sie trägt die fachliche Verantwortung.
Und gleichzeitig hat sich in diesem Moment etwas verändert. Nicht die fachliche Entscheidung hat mich beschäftigt, sondern die Kommunikation.
Was passiert, wenn eine Frage oder ein Hinweis als Infragestellung der eigenen Kompetenz erlebt wird, verunsichert?
Was brauchen Mitarbeitende, damit sie auch unter Zeitdruck, Anspannung und Beobachtung sagen können: „Danke für den Hinweis. Ich habe ihn gehört. Ich mache es aus diesem Grund so …“?
Vielleicht zeigt sich Professionalität gerade in solchen kleinen Momenten.
Nicht nur darin, was wir fachlich tun. Sondern auch darin, wie wir miteinander sprechen – mit Patient:innen, Angehörigen und Begleitpersonen.
Und vielleicht lohnt sich noch eine weitere Frage: Wie sicher fühlen sich Mitarbeitende selbst, wenn eine Rückfrage genügt, damit Kommunikation defensiv wird?
Ich habe darauf keine vorschnelle Antwort.
Gleichzeitig hat die Situation mich noch einmal sehr konkret darüber nachdenken lassen, wie fachliche Sicherheit, psychologische Sicherheit und Zugewandtheit im Versorgungsalltag zusammenhängen.

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